Nie wieder Marshmallows – Probleme bei der Replikation des berühmten Tests

Posted by on Jun 1, 2018 in Allgemein, Lernen | No Comments

Das Seminarmärchen

Falls Ihnen ein Seminarleiter oder Vortragsredner mit dieser schönen Geschichte kommt:

“Kleine Kinder, die es schaffen, auf vor ihnen liegende Marshmallows – oder andere Süßigkeiten – zu verzichten, um später umso von denen zu bekommen, sind später auch die mit dem besseren berufllichen Erfolg, weniger Drogenproblemen, generell dem besseren Leben”  – dann, ja dann, können Sie beherzt mit dem Kopf schütteln. Willensstärke pur! Genau das, was wir im 21. Jahrhundert für unseren Erfolg brauchen. Alles nix oder? Was ist passiert

Der original Marshmallow Test

Zwar legten das klassische Experimente des späteren Stanford-Psychologen Walter Mischel und seiner Kollegen den Effekt der Willensstärkre nahe und Nachfolgestudien schienen es zu bestätigen. Doch das Märchen mit der Früherkennung der Selbstkontrolle scheint auserzählt.

Tyler Watts hat das nächste Kapitel geschrieben: er hat es mit 900 Kindern nachgestellt. Zuerst mit 4,5 Jahren, dann später mit 15 Jahren. Das Ergebnis: Korrelationen von .30. Das ist äußert schwach. Süßigkeiten widerstehen ist eben doch etwas anderes, als Mathe- und Sprachkompetenz. Der Marshmallow-Test scheint passé. Die frühkindliche Fähigkeit zum Belohnungsaufschub sagt wenig über späteren Leistungen aus. Wenn Faktoren wie Familie und soziales Umfeld herausgerechnet wurden, bliebt nichts mehr über. Nur eines bleibt bestehen: wer mit 4,5 Jahren zu viele Marshallows ist, dem wird schlecht.

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